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Es war einmal... . So beginnen nicht nur alle großen Märchen. So beginnt auch die Vor-Geschichte von
lekketäsch, unserer eigenen Legende, die ganz klein und unscheinbar von einem kleinen Haufen verwegener Holland-Fahrer ins Leben gerufen wurde.
Es war einmal eben zu dieser Zeit, als Holland noch erobert werden mußte und in Form eines Kreuzzuges die Ungläubigen
bekehrt und Anstand und Moral vermittelt werden sollte. Später sollten wir feststellen, daß der Siegeszugs von Anstand und Moral doch erheblich schwieriger war und wir mehrer Anläufe nehmen mußten, um endlich unsere
guten Sitten den holländischen Barbaren und Tulpenpflückern zu vermitteln. Am Ende der mehrjährigen Touren in unser Nachbarland blieb lediglich die Ungläubigkeit zurück. Die „Oranjes“ fanden es einfach unglaublich,
was man mit ein wenig Alkohol im Blut so alles anstellen kann.
Doch der Reihe nach. In der Sturm- und Drangzeit einiger Sparkassen-Azubis (es waren wohl etwa die Jahre 1988-1992) wurde
die Idee geboren, nicht immer unsere eigenen Buden zu verwüsten, sondern auch einmal private Häuser unserer holländischen Nachbarn auf den Kopf zu stellen. So machten sich die Burschen, die damals noch Wolfgang,
Guido, Norbert, Alfred, Andreas, Jörg und Michael hießen, auf den Weg. Nach Gründung von lekketäsch mußten übrigens die Namen in Chicken, Linda, Pläät, Flodder, Wixää, Jüng und Chynasky geändert werden, da die
holländischen Behörden mittlerweile den Personen ein Einreiseverbot erteilt hatten.
Die Touren begannen immer gleich. Es wurden wenige Klamotten eingepackt, damit in den Autos noch genügend Platz für die
50-Liter Fässer Bitburger und die Zapfanlage war. Am Zielort angekommen wurde im Ferienhaus (meine Uroma hatte die gleiche Einrichtung) an der „Burepopelaan-Straat“, oder so ähnlich, erst einmal das Faß
angeschlagen. Hierbei tat sich besonders unser Bruder Flodder (ab hier werden nur noch die aktuellen Namen verwendet, da man die früheren Namen hierzulande nicht mehr kennt) hervor, der den Begriff des
Intervallsäufers in den Duden brachte. Er schaffte es immer wieder, sich in einer Stunde derart abzuschießen, daß danach ein zwei- bis dreistündiges Nickerchen nötig war, damit man sich mit ihm wieder unterhalten
konnte.
In einem Jahr begab es sich, daß sogar Krähen mitfahren durften, um die einheimische Bevölkerung von den eigentlichen
Absichten der Truppe ablenken zu können. Die Erfahrungen in jenem Jahr haben jedoch gezeigt, daß das weibliche Geschlecht für derartige Missionen nicht geschaffen wurde und uns sowohl Ärger mit den Nachbarn brachte,
als auch für Verwirrung in den eigenen Reihen sorgte. So kam es beispielsweise, daß uns mehrere, in langer Vorbereitung erarbeitete, lustige Spiele angekündigt wurden. Doch statt einem gut geprobten Strip oder einer
heißen Lesbeneinlage wurde uns das Ratespiel „Der große Preis“ oder „Stadt, Land, Fluß... präsentiert. Ein leichter Hoffnungsschimmer erstrahlte, als Plääts damalige Schnecke Claudia G. (steht nicht für den
gleichnamigen G-Punkt) aus O. bei H. beim Trivial-Pursuit-Spiel leicht die Beherrschung verlor und allen anwesenden Männern mit diversen vulgären Ausdrücken einen Ständer verschaffte. Dies fanden alle recht amüsant
– bis auf Pläät – der leicht erregt die Runde verließ und ins Bett ging. Wohl in der Hoffnung, seine Krähe würde ihm umgehend folgen und seine Erregung lindern. Dies geschah dann auch nach kurzer Zeit. Trotz
intensiver Lauschangriffe der übrigen Anwesenden konnten jedoch keine versöhnlichen Aktivitäten vernommen werden, so daß wir mit unserem Ghettoblaster und dem herrlich stimulierenden Lied „French Kiss“ versuchten,
von der Straße aus bei Lautstärke 10 die Stimmung noch zu retten. Noch heute behauptet Pläät, es hätte ihm nichts gegeben. Seit dieser Zeit steht fest, daß Krähen den reibungslosen Ablauf solcher Veranstaltungen
negativ beeinflussen und lekketäsch daher sogar Satzungsgemäß auf weibliche Mitgliedschaft verzichtet.
So mußten (oder durften) wir also in den Folgejahren selbst für die Highlights sorgen. So gelang es uns beispielsweise, den
anwesenden Holländern in einer örtlichen Disco nach etwa 3 Promille klar zu machen, warum Deutsche die besseren Menschen sind. Dies hatte die Einheimischen scheinbar derart beeindruckt, daß diese bei weiteren
Gesprächen nur die Siez-Form als Ansprache wählten. Das paßte Chynasky dann wohl gar nicht und er bat einen dieser Flegel zum Rapport. „Also, hör sofort auf uns zu Siezen, sonst bekommst Du eins auf die Fresse.“ Um
der Aussage Nachdruck zu verleihen, versperrte Chynasky einem Golf-Fahrer prompt den Weg, machte es sich bäuchlings auf seiner Motorhaube bequem, bis dieser Besserung im sprachlichen Umgang mit seinen Gästen
versprach. Davon angestachelt, wollte sich auch Flodder Gehör und Respekt verschaffen. In der Disco baute sich Flodder vor einem Typ ähnlich seiner Statur auf und schrie: „Geh zur Seite, Du Wichser !“. Als dieser
nicht wich, konnten wir gerade noch einschreiten, ehe seine Faust im gegenüberstehenden, großflächigen Spiegel landete.
Gezeichnet von diesen Ereignissen, die immer unter der Fahne unserer Kreuzzugs-Mission, standen, verließen wir die Disco
und machten uns auf, neue Schäflein zu bekehren. Dies gelang uns auch in beeindruckender Weise in der nächsten Kneipe. Auf dem Weg dorthin erwies sich ein Gartenzaun als Sitzgelegenheit als wenig stabil und Chynasky
lag plötzlich im Garten auf den heiligen Tulpen. Dies sollte ein Zeichen für den folgenden Kneipenbesuch werden, in dessen Verlauf der legendäre Satz
„beste Freund hab´“ geprägt wurde, der später auch als Leitspruch für die verschworene lekketäsch-Gemeinschaft galt.
In der Kneipe entpuppte sich der Zapfer dann als schlechter Gastgeber, als er uns nach etwa 50 zerbrochenen Gläsern, die
wie von Geisterhand immer wieder von der Theke fielen, des Saales verweisen wollte. Mit unserer ruhigen Art konnten wir ihn jedoch zunächst von unseren guten Absichten überzeugen. Erst als sich Chynasky´s Barhocker
als Schleudersitz entpuppte und er mit einem dumpfen Knall zu Boden stürzte und dabei weitere fünf bis zehn Gläser mit in den Tod riß, war die Geduld des „Oranjeboom-Prinzen“ zu Ende. Zu Hause rächte sich Chynasky
noch einmal an den unfreundlichen Gastgebern, indem er sich auf dem Schlafzimmer-Teppich ein schöne, große Pizza aus dem Kopf drückte.
Na ja, auch wir blieben während unserer gefährlichen Kreuzzüge nicht von Hinterhalten unserer Feinde verschont. So bauten
sie uns auf dem Weg zu einer neuen Kneipen-Mission kurzerhand eine tückische Straßenfalle auf, indem Sie ein etwa zwei mal zwei Meter großes und ebenso tiefes Loch ausgehoben hatten. Opfer wurde unser Bruder
Flodder, den wir mit vereinten Kräften aus dieser gemeinen Falle befreien konnten. Damit war der Kriegszustand ausgerufen.
Zu besonderen Gegenangriffen hatte sich damals Wixää entschlossen, als er bepackt mit seinem Orginal-NVA-Stahlhelm in die
Schlacht zog. Um nicht vor Beginn seiner Offensive noch mehr aufzufallen, hatte er sich statt eines Sturmgewehrs mit einem Billardqueue bewaffnet und sich eine Kneipe „Oranjeboom“ als Zielort für den Gegenschlag
ausgesucht. Dort angekommen, tarnten wir uns zunächst als professionelle Dreiband-Meister. Erst als Wixää fragte, wo denn die ganzen bunten Kugeln seien, schien unsere Tarnung aufzufliegen. Sodann mußte schnell
gehandelt werden. Zunächst taufte Wixää den beheizten Tisch mit einem großen Heineken (war sowieso nur als Keulenbier zu gebrauchen) bevor er mit dem Queue zu ergründen versuchte, was sich wohl unter dem grünen Filz
verbarg. Dies blieb jedoch ein Geheimnis, denn so schnell wie wir gekommen waren, waren wir auch wieder draußen.
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